A Novel of Harvard

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22 July 2014

Note: When I began writing this novel, I thought it would be obvious that the story is being told by what is known technically as an “unreliable narrator.” I thought such a narrator would elicit more understanding of David, the story’s main character.

Unfortunately, I was wrong. It has not been obvious at all to many readers that the narrator is unreliable. They tend to identify the author with narrator. In fact, the author should be identified with David.

The narrator is meant to represent all those people whose views of David were misguided, obtuse, selfish, and ignorant.

The narrator can indeed be disliked and even despised because of the way he sees David, but the author does not see things the way the narrator does. The author did, however, once experience and think and see things as David does. In very many respects, in fact, this is still true.

I suppose a better writer would not have to explain all this.


(Bemerkung: Auf den Anfang einer deutschen Übersetzung des Romans, nur als eine Art Sprachübung durchgeführt, kann man unten rechts zugreifen. Das Kapitel, das zur Zeit übersetzte wird, befindet sich unten.)


(Note: The beginning of a German translation of the novel, done purely as a kind of language exercise, is available by selecting the appropriate link to the right. The chapter that is currently being translated is below. The first chapter of the English version follows, and the entire English version is available through the links on the right side of this page.)
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Teil 1, Kapitel 17

„Ich war damals noch ein Kind, aber es war die Rede davon, dass die guten Tage den verständigen Leuten zufielen, die besten Tage aber jenen, die unklug zu sein wagten“.
–Sigrid Undset
Kristin Lavranstochter

Mit zwölf oder dreizehn Jahren war David ganz schön durcheinander. Es schien ihm eine absolut hoffnungslose Aufgabe zu sein, sogar zu versuchen, das Leben zu verstehen.

Er sprach davon mit Ann und Clayton, an einem Sonntagnachmittag, einige Monate nach seinem ersten Besuch. Er saß auf dem Sofa, nach vorn lehnend und seine Kaffeetasse gut fassend. Sein Kopf hing nach unten und er sprach, als ob eine schwere Last ihm aufbürdete, als ob er dachte, dass er es nicht verdiene, gehört zu werden.

„Natürlich“, sagte er, „das, was mich dazu veranließ, zu denken, dass nur Gott eine Lösung meiner Probleme sein könnte, war die Tatsache, dass alle meine Befürchtungen und meine Gefühle der Unsicherheit schienen, so sehr überwältigend zu sein. Und es war niemand da, an den ich mich für Hilfe wenden konnte. Wenigstens kannte ich niemanden. Ich konnte mich nicht an meine Mutter wenden, weil sie in ihren eigenen Problemen verloren zu sein schien. Und ich hatte überhaupt keine Beziehung zu meinem Vater – meine Mutter hatte in mir die Vorstellung genährt, dass mein Vater mich nicht mochte, und selbst wenn er mich doch mochte, dachte ich, dass es gar keine Möglichkeit gab, dass er mir helfen konnte, denn meine arme Mutter hat mir auch beigebracht, ihn als einen so sehr inkompetenten Menschen zu sehen. Es mir nicht einmal eingefallen, zu versuchen, mit meinem Vater zu sprechen.“

Er senkte den Kopf und schaute in seine Kaffeetasse; er versuchte seine Tränen, kindische Tränen – das wusste er – zurückzuhalten. Als er endlich aufblickte, wendete sich Ann Clayton zu. Ihr Gesichtsausdruck war beklommen. „Liebling, es ist ein sehr schöner Tag; machen wir alle mit den Kindern einen Ausflug zum Walden Pond.“

„Es könnte voller Menschen sein. Schließlich ist es Sonntagnachmittag.“

„Dann könnten wir vielleicht in Concord einfach spazieren gehen,“ sagte Ann, und ihre Stimmlage erhöhte sich ein wenig. „Du weißt, wie schön es jetzt in Concord ist. Es ist nicht nötig, dass die Kinder mitfahren; sie sind alt genug, um hier zu bleiben und für sich zu sorgen. Später könnten wir dort zu Abend essen.“

Er schenkte ihnen besorgt einen Blick. „Es gibt keine Notwendigkeit nach Concord zu fahren,“ sagte er und fühlte sich doof, sobald er diese Worte sprach. Schließlich, dachte er bei sich, war es nicht dumm von ihm, davon auszugehen, dass diese plötzliche Entscheidung, nach Concord zu fahren, nur wegen ihm getroffen wurde? „Ich möchte wirklich gern mit Ihnen sprechen“, konnte er endlich sagen. “Während der letzten paar Wochen brauchte ich dringend jemanden, mit dem ich offen reden könnte. Ich wollte wirklich versuchen, jemandem – beiden von euch – etwas über mich zu erzählen.“

„Schon gut“, sagte Clay leise, „wir können hier bleiben, wenn du willst.“

„Oder vielleicht möchtest du mit Clay unter vier Augen sprechen“, sagte Ann. „Ich gehe oben, um zu sehen, wie es den Jungs geht.“

„Nein, bitte bleib hier“, sagte David, „oder jedenfalls komm schnell zurück. Ich würde mir wirklich wünschen, dass ihr beide hier seid.“

Ann setzte sich wieder, und sie sah Clay an, mit einem Gesichtsausdruck, den David nicht verstehen konnte. Wie es bei Heranwachsenden so oft passiert, fiel es ihm nie ein, dass Clay und Ann sich für seine Ideen nicht so interessierten, wie er selbst. Er wusste nur, dass er müsse mit ihnen sprechen, und sicher, dachte er, würden sie willens sein, ihm zu hören. Er war sich sicher, dass sie zwei von jenen „instinktiv gütigen“ Menschen, nach denen er gesucht hatte.

Natürlich wäre so eine Denkweise bei einem Erwachsenen egoistisch, aber David war in mancher Hinsicht kein echter Erwachsener. Er war in mancher Hinsicht immer noch unreif, und weil er nie Eltern gehabt hatte, mit denen er sprechen oder denen er anvertrauen konnte, gab es so viel, was er sagen wollte. Er brauchte Menschen, die ein Gefühl der Weisheit hatten, die das hören würden, was er zu sagen hatte, und die ihm helfen würden, dem Leben einen Sinn zu geben.

„Als ich zwölf oder dreizehn Jahre alt war“, sagte er ihnen, „schien das Leben so verwirrend, dass ich glaubte, es wäre für mich eine hoffnungslose Aufgabe, sogar zu versuchen, es zu verstehen. Und doch dachte ich, dass ich dem Leben irgendwie einen Sinn geben müsste, oder ich würde verrückt.“

„Was meinst du?“ fragte Ann leise. „Wodurch schien das Leben verwirrend?“ Sie schaute ihn einen Augenblick an. „Woran lag es, dass du dich so gefühlt hast?“

Er schaute zu den beiden auf, rechtzeitig dafür zu sehen, wie Clayton Ann einen Blick zuwarf. „Was wollte Clay zu ihr sagen?“ dachte David bei sich. Dass sie vorsichtig sein sollte?

Er schwieg eine sehr lange Zeit, wie es ihm schien. Wie könnte er sie jemals dazu bringen, zu verstehen?

„Ich weiß, dies bedeutet wahrscheinlich nicht sehr viel“, sagte er endlich, „denn ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken kann. Ich weiß nicht, wie ich es in Worte fassen kann – es gibt so viele Dinge, die ich nicht in Worte fassen kann“. Er hielt noch einmal inne. Er wusste nicht, wie er ihnen das sagen könnte, was er dachte. Dann plötzlich schien es ihm, dass sie doch gar nichts verstehen könnten, jedenfalls nicht wirklich. Je länger er dort schweigend saß, desto schwerer für ihn war es zu sprechen. Er hatte das Gefühl, dass er nach irgendetwas suchte, das tief im Inneren verborgen lag, und dass die Welt von Worten und anderen Menschen weiter weg entschlüpfte, von Moment zu Moment.

„Du brauchst nicht im Augenblick alles erzählen“, sagte Ann.

„Aber ich will es euch erzählen. Ich muss es euch erzählen“. Stille herrschte. Die Worte lagen in ihm verschlossen und es schien, als ob er sie nicht befreien konnte. „Aber ich weiß nicht, wie ich das tun kann“, sagte er schließlich.

„Wenn du bereit bist“, sagte Clay, mit fast zu viel Schlichtheit, „dann wirst du es wissen“.

Vielleicht, dachte er sich, aber es würde nie einfach sein.

Plötzlich platzte es aus ihm heraus, „Es geht um Güte“. Und sobald er dieses Wort sagte, konnte er spüren, wie lächerlich es sich anhörte und wie weitab davon es war, was er wirklich sagen wollte.

„Güte?“ sagte Ann, und es schien ihm, dass er etwas wie Enttäuschung in ihrer Stimme hörte.

„Ja“, sagte er und zuckte die Achseln. „Ich weiß, wie dumm es klingt. Aber Tatsache ist, dass ich im Alter von zwölf Jahren wirklich gut sein wollte. War das so eine blöde Art und Weise zu denken?“ Er stellte seine Kaffeetasse ab und hielt den Kopf gebeugt, das Gesicht in den Händen. Er hatte das Gefühl, dass das, was er sagte, überhaupt keinen Sinn machte, vor allem, weil es nicht das war, was er wirklich sagen wollte. Es kam ihm vor, als wäre jede Idee, die er auszudrücken versuchte, verstummelt worden wäre, als er sprach. Es war, als ob irgendetwas in seinem Kopf alles verzerrte, was er zu äußern versuchte, es enkodierend, auf irgendeine Art und Weise, so dass es unmöglich war, etwas zu verstehen, ohne den Chiffrierschlüssel zu besitzen.

„Nein“, antwortete Clay sehr leise, „es ist überhaupt nicht falsch, so zu denken.“

David schaute ihn hoffnungsvoll an. „Alles, was ich wollte, war, ein guter Mensch zu sein. Es war mir so sehr wichtig, gut zu sein.“

„Aber David“, sagte Ann, „wie kommst du dazu, dass du nicht gut bist?“

„Ich weiß nicht genau, aber in dem Alter – im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren – du weißt schon, die Welt ist manchmal so sehr verwirrend, und ich hatte Angst – Dinge passieren in dem Alter – du weißt schon – und ich hatte Angst, dass ich nicht ein guter Mensch sein würde oder könnte.“

„Vielleicht“, sagte Clay, „wurdest du dich einfach der Existenz des Bösen – in dir und in anderen Menschen – bewusst. Weißt du, das ist nicht etwas Ungewöhnliches. Das muss mit jedem passieren.“

Jetzt griff David die Hände fest aneinander. „Ja, das weiß ich, oder zumindest glaube ich, es zu wissen. Aber es schien für mich noch schlimmer zu sein, als für andere Menschen. Ich habe noch niemanden kennengelernt, der so viele Schwierigkeiten hatte, alles zu begreifen; ich kenne niemanden, der schien, so viel endlosen Schmerz darin zu erfahren, erwachsen zu werden, wenn es das ist, was ich tue.“

Er schaute Ann nicht an, aber als sie sprach, wusste er, dass sie lächelte – aber auf eine gütige Art und Weise.

(Fortsetzung folgt.)
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“My dear friend,” he said, “there is no reason to be surprised, or to feel deceived. It often happens that the autobiographical element in a novel is not the narrator at all, but the character the narrator is describing.”

— Nils Sondergaard, In an Unknown Country

The first chapter of the novel is printed below. Links to the other chapters are listed at the right.



Part 1, Chapter 1

Forsitan et haec olim meminisse juvabit….
–Vergilius
Aeneidos

One day even these things may be pleasant to remember….
–Virgil
Aeneid

He wouldn’t expect you to believe a story like this could really happen. Sometimes he couldn’t believe it himself. Much of it he had to force himself to remember; much of it he wasn’t very proud of. The thing is, though, he felt his life would really have no meaning if he didn’t at least try to leave some record of it, no matter how clumsy and awkward that record might be. And no matter how frightened he might be at the telling of it.

The story is about a boy, a young man at Harvard, one who had the face of an innocent — bright, open, but sometimes puzzled and hurt. He was full of energy and ideals and an adolescent love for everything he had learned about the life of the mind. Of course he thought he knew a little about the pain and ugliness of life too, but he was almost convinced all that was relatively unimportant. He believed he only had to push it out of his mind. Evil existed in the world — he knew that. But as far as he was concerned, evil was just something he could avoid, something he didn’t really have to worry about, something that would never affect him.

When he was first at Harvard, what he was most aware of was the kind of professor whose lectures seemed to resonate with greatness — at least for him. Those same professors, though, could cause him a strange kind of pain and embarrassment, because of the self-important, mocking, and condescending way some of them spoke about the great writers and poets of English literature. When they did that, they aroused in him an odd sense of humiliation on behalf of those long dead, those who were being so elegantly ridiculed.

So this young man, because he had a great deal of adolescent pride, swore to himself, at some deep level of his mind and without really understanding what he was doing, that no one would ever scrutinize his writings with that unsympathetic air of superiority. There would be, he promised himself, no writings to scrutinize.

Later, though, he came to understand that he had to write at least his own story, and hope that others would read it with as much sympathy and understanding as possible. He hoped they would be able to overlook the way he expressed himself, the only way he could express himself, with everything encoded in dullness and stupidity. He thought these qualities would protect him from the notice of anyone who might laugh at what he had to say. He was always so proud that he never stopped worrying about things like that.

He hoped that some would try to see beyond the code, that they would feel it was worth the trouble. If once in a while they couldn’t help laughing at him, though, he would understand. He was still proud, but he could at least laugh at himself.

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